Die Identität einer Stadt ist ein anarchisches Gebilde, eine Summe von Fakten, Gegenständen, Orten, Gebäuden, Gewohnheiten, Persönlichkeiten, Kulturen und Traditionen, die im Laufe der Zeit sehr komplexe Charakteristika bilden, die in ihrer Gesamtheit schwer zu erfassen und zu begreifen sind. Die städtische Identität erscheint oberflächlich stets sehr solide und simpel, aber sobald man etwas tiefer gräbt, offenbart sie sich als vielschichtig und unendlich.

IDBerlin ist ein Projekt, das diese komplexe Identität der Stadt, ausgehend von der Geschichte und der Erinnerung der Menschen, mit Hilfe der Suche und Definition von sie repräsentierenden Symbolen zu rekonstruieren versucht. Es ist ein Projekt mit offenem Ausgang, das nach der aktiven Beteiligung aller sucht, die sich der Stadt verbunden fühlen.

IDBerlin entstammt der Lebenserfahrung der Künstlerin Mónica Segura-Márquez, die als Berlinerin und Tochter von chilenischen Exilanten fortwährend das Thema der Identität in ihren Projekten thematisiert und des argentinischen Designers Gustavo Stecher, Sohn polnisch-jüdischer Emigranten. Ihre langjährigen Erfahrungen im Bereich "art and education" halfen dabei, innovatives Design in einen kulturellen und edukativen Kontext zu bringen.

Ausgangspunkt zur Entwicklung des Projektes ID Berlin war eine zufällige Begegnung der beiden Künstler während der Berliner Designmesse DMY im Juni 2010. Das Projekt wurde daraufhin in Kooperation zwischen urban dialogues aus Berlin und Nobrand aus Buenos Aires konzipiert und durchgeführt und vom Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung finanziell unterstützt.

An dem Projekt waren insgesamt 40 Mitwirkende im Alter von 14 bis 96 Jahren aus drei verschiedenen Berliner Einrichtungen beteiligt. Von Ende März bis Anfang April 2011 fanden in Berlin unter der gemeinsamen Leitung von Mónica Segura-Márquez und Gustavo Stecher drei Workshops mit der Friedensburg Europaschule, dem Jugendzentrum Olam der Jüdischen Gemeinde und dem Seniorenzentrum der Jüdischen Gemeinde Jeanette Wolff statt.

Die Ergebnisse der Workshops wurden vom 1. bis 5. Juni 2011 auf der Designmesse DMY- Designmai Youngsters einem breiten Publikum präsentiert. Rund 20.000 Besucher bekamen dabei die Gelegenheit geboten, sich mit dem Projekt ID Berlin auseinander zu setzen. Eine Ausstellung im MARQ, dem Museum für Architektur in Buenos Aires ist für den Herbst 2011 bereits in Vorbereitung.

Mónica Segura-Márquez
Gustavo Stecher